Bühnenkampf

«Do isch öpper tot. Was hesch du gmacht?» Ein weiterer Schlag fliegt durch die Luft und ein Mädchen fällt zu Boden. Im Bühnenkampf-Atelier wird gekämpft, jedoch nur gespielt. Die zwei professionellen Schauspieler und Workshopleiter verwandeln die Klassen von schüchternen Teilnehmenden zu selbstbewussten Darsteller:innen.

Leitung: Benjamin Spinnler & Robert Baranowski

Wir befinden uns im Dachstock der Scheune auf Schloss Waldegg. In der Luft liegt der Duft von Holz und Schweiss. 27 Anwesende bewegen sich in Socken oder barfuss hin und her. Zuerst werden die Grundlagen eingeführt. Wie schlägt man und wie deckt man sich? Die Bewegungen werden sehr präzise geübt, wie im Boxen. Die erste Übung beginnt: Wenn der Leiter den Buchstaben A nennt, beweget sich die Gruppe vorwärts. Wichtig ist dabei die richtige Beinarbeit. Das heisst: offene Stellung und Hände vor dem Gesicht. Wenn jedoch der Buchstabe B erwähnt wird, verschieben sich die Kursteilnehmenden rückwärts. Beim Buchstabe C verlagern sich die Anwesenden auf die linke Seite und beim Buchstabe D auf die rechte Seite. Bei jedem Schritt wird ein Schlag ausgelöst. Nun werden Zweierteams gebildet. Das Ziel ist, die Schulter der gegenüberstehenden Person zu berühren. Dies soll vor allem Beweglichkeit und Flinkheit auf den Füssen anregen. Danach wird die Klasse in zwei Teams aufgeteilt. In einer Spielform sollen die Schüler:innen den Rücken der Gegner antippen. Alle, die angetippt werde, fliegen raus. Das Game endet unentschieden. Folglich führt Benjamin die drei wichtigsten Prinzipien ein. Erstens: nie auf das Gesicht schlagen. Der Schlag wird neben dem Gesicht positioniert, und zwar immer auf der Gegenseite des Publikums, sodass dieses den Schlag nicht sieht. Das zweite Prinzip besagt: Aktion-Reaktion. Wenn der Schläger den Schlag auslöst, muss der Getroffene reagieren, indem der Kopf seitlich nach hinten gedreht wird. Was fehlt nun noch? Genau, der Sound. Dieser ist das dritte Prinzip und wird von einem Schlag auf den Oberschenkel oder auf die Brust produziert. Robert meint, dass das Gehirn der Zuschauer zu langsam wäre, um alle Bewegungen, einschliesslich dem Patsch auf den Oberschenkel, zu erkennen und zu merken. So bekommt das Publikum meist nicht mit, wie der Sound entsteht. Mittlerweile haben sich wieder Zweierteams gebildet, welche diese drei Prinzipien ausprobieren. Zuerst langsam und dann immer präziser. Der Raum wird umgestaltet. Nun liegen rote und blaue Matten auf dem Boden zu einer Fläche gruppiert. Die Klasse teilt sich in Vierergruppen auf und studiert einen Konflikt mit anschliessendem Bühnenkampf ein. Viele kreative Ideen werden genannt. Von Spiderman über Titanic bis hin zum Familiendrama mit einem Ex. Die Truppe ist laut, energiegeladen und voll dabei. Was herausstechen muss, sind die Emotionen, wie auch der Inhalt der Geschichte. Es wird eifrig geübt, geprobt und gekämpft. Gegen Ende des Ateliers führen die fünf Gruppen nacheinander ihre kleinen, gefährlich wirkenden Szenen auf und erhalten anschliessend Feedback von den Klassenkamerad:innen und von der Leitung. Die Szenen werden emotional gezeigt und auch Geschrei wird miteingebunden. Es wirkt sehr realistisch.


Kommentar von Vera
Die Gruppe war ziemlich motiviert und wirkte aktiv mit. Die Vorführungen am Schluss waren sehr actionreich und realistisch. Ich war überrascht, dass die Klassenkamerden:innen positives, wie auch negatives Feedback gegeben haben. Dieses war ausführlich und enthielt Ansätze, die man genau einbauen konnte, um die Geschichte verständlicher zu machen. Ein weiteres Zitat, das mir bleiben wird war: «Weimer gone Döner ässe?». So startete der Konflikt der ersten Gruppe.


Text: Vera Späti, Kantonsschule Solothurn
Fotos: Ennio Massoni, Leticia Sienicki, Thanusjan Velupillai & Ümmet-Ali Zilkifli, Kantonsschule Solothurn

 

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